18. März 2020

Infraserv setzt auf „elektronische Nasen“

Pilotprojekt mit moderner Sensortechnik zur Geruchs-Messung in Sindlingen

Zur Messung von Geruchswahrnehmungen werden in Sindlingen in den Straßenzügen nahe des Industrieparks neue Messgeräte installiert. Foto: Infraserv Höchst

Infraserv Höchst prüft im Rahmen des Geruchsmessprogramms in Sindlingen den Einsatz „elektronischer Nasen“: In den Industriepark-nahen Straßenzügen werden in den nächsten Tagen acht Messgeräte mit moderner Sensortechnik installiert, die Gerüche erkennen und dokumentieren können. Dieses Pilotprojekt, an dem verschiedene Unternehmen und die Universität des Saarlandes beteiligt sind, ergänzt in einer zunächst einjährigen Testphase die Geruchsmessungen, die seit 2008 vorgenommen werden – mit menschlichen Nasen.

„Wenn es um die Erkennung und Einordnung von Gerüchen geht, gab es bislang keine wirklich zuverlässige Alternative zur menschlichen Nase“, erklärt Dr. Guido Schmitt, Leiter Umweltschutz von Infraserv Höchst. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört das Messprogramm, das Infraserv Höchst seit über zehn Jahren in Sindlingen und Kelsterbach durchführt, um die Geruchsbelastung ermitteln und zuordnen zu können.
Täglich stehen Mitarbeiter eines unabhängigen Instituts an definierten Messpunkten und dokumentieren, ob es riecht und wonach. Gerüche nach Chemie, Klärschlamm oder Abwasser können bei entsprechender Windrichtung aus dem Industriepark kommen. Dort wurden in den vergangenen zehn Jahren mehrere Millionen Euro in die Entsorgungsanlagen der Infraserv Höchst investiert, um die Geruchssituation zu verbessern – mit Erfolg, wie die Messungen belegen, deren Ergebnisse unter www.ihr-nachbar.de im Internet veröffentlicht werden.
„Die Belastung durch Abwasser- und Klärschlamm-spezifischen Gerüche ist deutlich zurückgegangen, wohingegen die Chemiegerüche in den Vordergrund getreten sind. Aus diesem Grund geht unsere Suche nach den Ursachen weiter, um dann mögliche Geruchsquellen zu beseitigen“, erklärt Guido Schmitt. „Daher starten wir jetzt das Pilotprojekt mit der Sensortechnik.“
Infraserv Höchst erfüllt damit auch einen Wunsch, der im Gesprächskreis der Nachbarn des Industrieparks Höchst zum Thema „Geruchsmessungen“ vorgebracht wurde. Auch in diesem Gremium war schon einmal eine Geruchserfassung mit Messgeräten vorgeschlagen worden, die es damals allerdings noch nicht gab. „Inzwischen hat sich die Technik weiterentwickelt und wir wollen versuchen, mit den neuen Möglichkeiten der Sensorik noch bessere und zuverlässigere Daten zur Geruchssituation zu erhalten, aus denen wir dann auch wieder Maßnahmen zur Geruchsminderung ableiten können“, erklärt Guido Schmitt.
Die Messgeräte der „elektronischen Nase“ enthalten unter anderem Metalloxid-Sensoren, deren elektrische Leitfähigkeit sich bei Kontakt mit Gasmolekülen ändert. „Die Moleküle modifizieren das elektrische Signal, und je nach Art des Moleküls entstehen unterschiedliche Signalmuster“, berichtet Guido Schmitt. So lassen sich verschiedene Gase beziehungsweise Gerüche voneinander unterscheiden. Die Messgeräte wurden bereits in Vorversuchen im Industriepark erfolgreich getestet, so dass nun das Pilotprojekt in Sindlingen gestartet werden kann.
Die Messgeräte werden in etwa 2,50 Metern Höhe an Straßenlaternen angebracht. Die Daten werden ähnlich wie bei einem Smartphone über eine LTE-Verbindung übertragen. Infraserv Höchst informiert die Anwohner in den betroffenen Straßenzügen mit Infoflyern über das neue Messprogramm und die Geräte, die jetzt installiert werden.
Das Pilotprojekt wird von einem Konsortium umgesetzt, dem neben der Universität des Saarlandes auch die 3S GmbH als Hersteller der Sensorsysteme und die Firma Olfasense GmbH angehören, die im Auftrag von Infraserv Höchst seit 2008 das Geruchsmessprogramm durchführt. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Nach einem Jahr werden die Daten ausgewertet und auch mit den Wahrnehmungen der Olfasense-Mitarbeiter verglichen, die weiterhin in Sindlingen wie auch in Kelsterbach unterwegs sein werden und Geruchswahrnehmungen registrieren. „Ich bin gespannt darauf, welche Erkenntnisse sich aus dem Abgleich der beiden unterschiedlichen Messprogramme ergeben“, meint Guido Schmitt. red

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